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Vancouver (3)

Ich schlafe kurz und träume schlecht.

Als das Telefon um 9 Uhr klingelt versuche ich draufzuhauen. Vergeblich. Aus dem an der Schnur herunterbaumelndem Hörer kommt ein freundliches „Good morning, Mrs. Thater. It is 9 am and this is your wake-up call“.

Kein Entrinnen.

Das Telefon klingelt ein 2. Mal als ich frierend aus der Dusche komme. Sima steht unten, auch verschlafen, hat aber Starbucks-Drogen in „Grande“ dabei. Wir entscheiden uns für französisches Frühstück, d.h. Kippe, Kaffee & Sonnenbrille – alles in XL – und gehen shoppen.

bags

„Scheiß egal was es kostet – kauft halt was“. Schöne Ansage für Mädels mit Kreditkarte ohne Limit. PokerStars hat Glück. Leider haben wir nur eine Stunde Zeit und sind zu dieser Uhrzeit noch nicht sehr entscheidungs- oder shoppingfreudig. Allerdings sollte man uns im ausgeschlafenen Zustand solche Ansagen nicht machen. Das ist so ein wenig wie „Achtung! Bitte nach Mitternacht nicht füttern. Mutiert!“

Immerhin reicht es für ein paar Sachen und Sima kann mit mir arbeiten.

Die nächsten 3 Tage sind verdammt lang im Obi-Baumarkt. Filmen & Fotografieren am Pokertisch, auf dem Pokertisch, vor grünem Hintergrund, vor Weißem, mit Daniel, mit Joe, nur die Jungs, nur die Mädchen, alle zusammen. In roten Oberteilen, in Schwarzen, casual, elegant, lazy. Uns tun die Augen weh vom ständigen Blitzen – selbst wenn man sie schließt (Ooah, Katja – lass die Augen mal auf!) sieht man das Licht noch. In den kurzen Pausen sitzen wir mit Haarklammern, halbfertiger Schminke und zum Teil sehr wenig Klamotten auf den staubigen Sofas und zocken online.

An unserem Wardrobe-Trailer wird genau dann immer die Tür aufgerissen, wenn wir Mädchen nichts anhaben. Ich glaube ganz Vancouver kennt mittlerweile sämtliche Muttermale an meinem Körper.

Andre, Umberto & Luca treffen am Donnerstagabend ein. Also geht noch mal alles von vorne los: Jeder mit jedem bitte und in allen Variationen. Luca und ich sitzen uns am Pokertisch gegenüber, die Kamera ist in seinem Rücken und filmt mein Gesicht. Ich soll einen Move machen und gefälligst ernst gucken. Er schneidet mir natürlich Fratzen und foppt mich. Ich schwöre ihm Rache – es kommt leider nicht dazu, ich werde vorher gegen Daniel ausgetauscht. Ich glaub ich muss ihn online mal wieder ein bisschen check-raisen, das ärgert ihn gewaltig. Derweil schaue ich mir Umberto an: Seelig schlafend und durch nichts zu erschüttern. „Weckt mich wenn ich dran bin“. Das ist puerto-ricanische Gelassenheit. Im Gegensatz zu den beiden anderen Mädchen. Isabelle mault ununterbrochen und Vanessa überlegt krank zu werden.

Joe_und_Daniel

Vorher wird sie jedoch gehängt.
Als ich wieder mal durch den Obimarkt in Richtung Wardrobe zum x-ten Klamottenwechsel gehe, höre ich aus einem Holzverschlag Vanessas Schreien. Ich schaue um die Ecke und sehe sie vor einer Windmaschine kopfüber baumelnd an einem Seil. Wir alle lieben Regisseure und besonders den Satz: „Sehr schön, bitte noch mal.“ Ich überlasse sie ihrem Schicksal, denn ich weiß, dass sie dort mindestens 4 Stunden hängen wird, ganz egal, was gedreht wird.

Und ich dachte schon, ich hätte den scheiß Part erwischt.

Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal geahnt was auf mich zu kommt.

Die nächsten Tage werden die Outdoor-Szenen gedreht. Endlich raus aus dem Studio und ab ins regnerische kalte Vancouver. Wie so oft haben die Jungs es deutlich leichter. Stuntpersonal. Kleine Unstimmigkeiten, wie z.B. dass Joes Double 3 Köpfe größer ist, werden im Handumdrehen gelöst. Der arme Kerl muss sich halt mit Schuhgröße 45 in Joes neununddreißig rein quetschen. Aber was soll´s? Ist ja n Profi.

1Quäler

Luca weigert sich derweil die ausgesuchten Sporthosen anzuziehen. Er sei Italiener und würde so was nicht mal im Traum tragen. Geschmacklos! Aber wir drehen hier ja keinen Prada-Spot sondern die neue PokerStars Werbung. Er diskutiert noch ein wenig rum und entscheidet sich für das kleinste Übel, eine kurze Trainingshose in dunkelblau. Seine Drehpartner sind Umberto und Andre. Beide sind vollkommen relaxed und ihnen ist es ziemlich egal wie sie aussehen. Andre und ich unterhalten uns draußen sehr nett während sich Umberto an den Garderobieren versucht um seine Fremdsprachenkenntnisse aufzubessern. Beide sind gebürtige Inderinnen und er kriegt einfach ihre Namen nicht auf die Reihe. Aus Sima & Shiva wird schlicht „Shita“. Wie der Schimpanse aus Daktari.

Wir bekommen derweil immer wieder von Shita entweder Tesaband in den Rücken, Büroklammern oder eine helfende Hand, die später raus retuschiert wird. Fehlt nur noch dass einer auf die Idee mit dem Tacker kommt.

Man weiß ja nie – schließlich arbeiten wir ja zurzeit im Baumarkt.
20% auf alles. Außer Tiernahrung.

Fortsetzung folgt.

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