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Tallinn vaheldusrikas

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Viel Wasser, Schlösser, Kirchen und Paläste. Traumlage am Finnischen Meerbusen mit Blick auf die plätschernde Ostsee. Bezaubernde Altstadt mit antiken Gebäuden, historischen Plätzen und im Sommer gibt es bis zu 19 Stunden Tageslicht mit meiner Lieblingstemperatur „Shorts & Windjacke“.
Kein Wunder, dass die halbe Welt dort schon mal einmarschiert ist.

Tallinn hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich und so ergibt es sich fast von selbst, dass eine estnische Leibspeise Blutwurst mit Sauerkraut ist.

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Morgen beginnt die PokerStars EPT Saison 7 und Tallinn ist der erste Austragungsort dieser  weltgrößten Turnierserie. Das Hauptevent wird ein 4000EUR NLHE Turnier sein und am Mittwoch mit Tag 1 A im luxuriösen Swissôtel starten.

Jedes Jahr werden bei der European Poker Tour am Saisonende Preise für die besten Leistungen vergeben. In der letzten Saison konnte ich den Mixed Game Player Award gewinnen und dieser wird mir hier in Tallinn überreicht.

Meine Freundin Britta wird mich begleiten. Das ist die, die auch mal spontan von Hamburg nach Monte Carlo fliegt um mir Aspirin zu bringen. Ich hatte ihr während eines Turniers eine SMS geschrieben, dass ich von einer gespielten Hand regelrecht Kopfschmerzen habe. Ein paar Stunden später stand sie vor meiner Zimmertür.

Um in einem fremden Land nicht in jedes Fettnäpfchen zu treten, empfiehlt es sich, wenigstens eine grobe Bedienungsanleitung zu haben. Ich bin schon viel gereist und was das betrifft auch durchaus unerschrocken, aber manchmal kommt man um komische Situationen einfach nicht herum, weil man die Sprache nicht beherrscht.

Ein Barkeeper in Barcelona kann schon mal drollig gucken wenn man eine „Cola“ bestellt und dass eine „Aubergine“ in Frankreich die Strafzettel an die Autos klebt, statt lecker überbacken auf dem Teller zu liegen, war auch ein interessanter Lernprozess. Letztes Jahr habe ich aufgrund fehlender Sprach- und Lesekennnissen auf dem Moskauer Flughafen den klassischen Coinflip im Toilettenraten aber verloren.
Aber außer hastig hochgezogener Augenbrauen und Hosen gab es glücklicherweise keine weitere Action mehr. Ich checke in the dark und er gewinnt ohne Showdown.
Das Schild  „общественный туалет“ ist nun auch wirklich etwas verfänglich. Das könnte mich ja in Gott weiß was locken. In die Zollbehörde zum Beispiel. Oder zur Steuerfahndung. Dann nehme ich doch lieber die Männertoilette und habe wenigstens einen Hauch von Fold Equity.

Wir haben Glück.
In Tallinn werden, historisch bedingt, jede Menge Sprachen außer Estnisch gesprochen und auf der Suche nach einer solchen stoße ich bei Wikipedia in diesem Zusammenhang auf eine mir bisher unbekannte grammatikalische Raffinesse.

Mir ist zwar geläufig, dass der Dativ nicht an allen Hamburger Schulen gelehrt wird, aber was zum Teufel ist der Ergativ? Hier ein wenig Nachhilfe für alle, die auch nur zu Sport und Musik anwesend waren:

Der Ergativ ist ein Kasus in bestimmten Sprachen, die nach ihm Ergativsprachen genannt werden. Er markiert das Subjekt transitiver Sätze, also solcher, die auch ein direktes Objekt haben. Subjekte intransitiver Sätze, also objektloser Sätze, werden hingegen nicht mit dem Ergativ markiert. Dagegen wird in Ergativsprachen das direkte Objekt in transitiven Sätzen und das Subjekt in intransitiven Sätzen mit demselben Kasus, dem Absolutiv, markiert.
Bekannte Ergativsprachen sind z. B. das Baskische, Chantische, Georgische, Sumerische, Tibetische,
Kurmandschi, Shipibo (in Peru) und Kalaallisut (in Grönland).

Kalaallisut hört sich doch ziemlich tagestauglich an und sicherlich könnte ich damit auf meiner nächste Butterfahrt, wenn ich mal wieder zollfrei Zigaretten und Walfett einkaufe, die mitreisenden Eskimos beeindrucken.

Nächste Woche allerdings brauchen wir Dänisch, Schwedisch, Finninsch, Russisch, Ukrainisch und Estonisch.
Also werde ich mir in der Flughafen Bibliothek den Langenscheid für Blonde Reisende in 6 Sprachen besorgen. Britta benötigt die brünette Ausgabe. Schließlich möchten wir ein wenig entspanntes Sightseeing machen und wollen nicht unterwegs nach einer Aubergine fragen müssen.

Es sieht ein wenig so aus, als könnten wir den alten Stadtplan von Lübeck benutzen. Den hätte ich sogar noch irgendwo. Allerdings stehe ich mit den herkömmlichen Stadtplänen etwas auf Kriegsfuß. Herr Falk (das ist der mit dem Faltplan) hatte 1995 alle Sympathien bei mir verspielt, als er sich ungefragt aber maßgeblich an einer exakten Faltung meines Autos beteiligt hat.

Aber vielleicht kommt es für mich ja gar nicht zum ausgiebigen Sightseeing, Autos auf dem Kopf oder irgendwelchen sprachlichen Verwicklungen und ich sitze lange im Turnier. Dort wird nämich englisch gesprochen, zumindest offiziell.
Dass die Russen sich des Öfteren mal nicht daran halten und während einer laufenden Hand  einfach in ihrer Sprache weiterpalavern, stört mich nicht weiter.
Meine Kenntnisse reichen für Wesentliches wie z.B. schmutzige Trinkgesänge, ТРОЙКА, СТРИТ, ФЛЭШ und Фул Хаус. Damit sollte ich selbst an einem „Russisch Only Table“ zurechtkommen. Gott bewahre mich nur vor einem skandinavischen Tisch. Diese Sprachen versetzten mich komplett ins Tal der Ahnungslosen und ohne eingeblendete Untertitel könnte ich nicht mal ein Billy-Regal zusammenbauen.

Ich freue mich sehr auf diese Woche, ob nun auf das Event, meinen Preis oder das Sightseeing. Falls ich die meiste Zeit am Pokertisch verbringen sollte und meine Turniertage lang sind, muss Britta sich eben alleine mit der dunkelhaarigen Ausgabe des Lübecker Stadtplans durch Tallinn singen.

Aber das kann sie. Notfalls bringe ich ihr Aspirin.

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