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Aurelius Maximus

Ein Pferd mit 1000 Sinnen. Ein sanfter Riese. Mein Spiegel.


Tarzan hört alles, riecht alles, schmeckt alles und sieht alles. Er ist ein Pferd, das extrem fühlt und über sehr viel Empathie verfügt. Bevor ich morgens in den Stall komme, weiß er schon wie ich geschlafen habe.

Sein Vater ist der Hannoveraner Fuchshengst A Jungle Prince von Argentinus.

Hengst A Jungle Prince

Ich hatte den Gedanken Comtess wieder mit dem legendären Absatz-Blut anzupaaren und war auf diesen Hengst gestoßen. A Jungle Prince konnte 1993 das Bundeschampionat der sechsjährigen Dressurpferde unter dem Rheinländer Thomas Schmitz gewinnen und unter Susan Draper siegte er mehrfach in der schweren Klasse. Der Hengst selbst war eher klein, seine Nachkommen aber verfügen meist über eine stattliche Größe. Muttervater ist Pik König, der selbst auch noch einmal über Abglanz gezogen ist.

Tarzan kam wie bestellt. Groß, mit Elchnase und sehr umweltorientiert. Mutter Comtess gab ihn regelmäßig entnervt zum Babysitten weg. Bis heute ist sein Rufname: „Tarzan LASS DAS“.
Als junges Pferd machte er seine Grundausbildung, ging dann viel ins Gelände, war auf der Koppel und wurde oft von jungen Mädchen betreut. Bis er etwa 8 war konnten wir auch kaum etwas mit ihm anfangen, so sehr machte ihm sein Wachstum zu schaffen. Immerhin wollten die knapp 700 kg ja ordentlich in die 1,80 Stm verpackt werden.
Ich sehe ihn noch, wie er die kleinen Mädchen im Sommer ohne Sattel zum Badesee trug. Man konnte ihn überall anbinden, er verstand jedes Wort. Vermutlich hätte er auch „Sitz“ gemacht, wenn ihm nur das Kommando geläufig gewesen wäre. Zusammengefasst kann man sagen, dass er eine sehr entspannte Jugendzeit hatte.
Lange sah es so aus, dass Tarzan eher Champion der Schnitzeljagd und Ringreiter wird, als dass ich jemals meinen Frack auf ihm ausführen könnte. Vielleicht lag es auch an seiner interessanten Optik. Selten habe ich ein Pferd gesehen, dass wirklich alle Farben trägt. Punkte, Flecken, Stichelhaare und Aalstrich. Pippi Langstrumpf wäre begeistert.
Das änderte sich schlagartig als ich begann mich wirklich um ihn zu kümmern. Irgendwann musste ich ja mal mit ihm anfangen. Da war Tarzan bereits 10 Jahre alt, sah aus wie 8 und benahm sich wie 5. Mittlerweile hat er gut aufgeholt und bewegt sich auf sicherem S-Niveau. Er piaffiert sehr eindrucksvoll, bleibt cool bei den Tempis, die Pirouetten und Traversalen sind geschmeidig und locker. Wer weiß, wo das noch hinführt. Vielleicht wird aus Kleiner Onkel doch noch ein ordentliches Dressurpferd.
Wie seine Geschwister verfügt auch Tarzan über ein außergewöhnliches Springvermögen. Vorsichtig, vermögend und mit viel Übersicht. „Springintelligenz“ sagen die Fachleute dazu. Er verlangt im Gegenzug volle Konzentration, ein sicheres Auge und leichteste Anlehnung.
Das gleiche gilt für die Dressurarbeit.
Hält man ihn fest und versucht seine große Übersetzung und Gehfreude mit der Hand zu kontrollieren, wird er heiß. Das Zauberwort heißt unbemerkt führen. Dazu gehört ein großes gegenseitiges Vertrauen.
Tarzan ist das ehrlichste, treuste und anständigste Pferd, das ich kenne. Keinen Argwohn und nicht mal im Ansatz einen einzigen bösen Gedanken. Seinen Bauch kann ich liegend unter ihm kopfüber scheren und wenn er mal wieder 1 Woche lang nicht geritten wird, kann ich mich bedenkenlos drauf setzen und am langen Zügel in den Wald reiten.
Dafür lassen wir im Handling auch einiges durchgehen, was andere Pferde nicht dürfen: Ständiges betteln nach Leckerlis, supa-dupa-extra-Streicheleinheiten, nur die Lieblingsbürste benutzen und nicht schimpfen, wenn er wieder aus der Box entwischt um spazieren zu gehen.

Tarzan kann man nicht bluffen und auch nicht zwingen. Man muss sich etwas einfallen lassen. Täglich lehrt er mich Contenance und Balance zu wahren, er verzeiht mir alles aber vergisst nichts.
Ein bekannter Ausbilder und Turnierreiter hat mal über sein Pferd Anatol (von A Jungle Prince) gesagt, er hätte alleine 3 Jahre zum Auffinden der Bedienungsanleitung gebraucht. Ich bin also noch gut im Timing.
„Konzentriere Dich gefälligst auf mich, dann gebe ich mein Bestes!“

Im November 2015 verletzte sich Tarzan so stark, dass wir Weihnachten darüber nachdenken mussten ihn einschläfern zu lassen. Ein anderes Pferd hatte ihn auf der Koppel getreten und die Diagnose war nicht schön: Mehrere Fissuren am Unterarm.
8 Wochen haben wir geschwitzt und gebetet, dass das Bein zusammenwächst. Nach 3 Monaten Klinik kam die erleichternde Nachricht: Er hat es geschafft!

Ein paar Wochen nach der Klinik waren wir wieder vorsichtig unterwegs und er darf uns jetzt ohne jeglichen Trainings- und Turnierstress Freude bereiten.
Es hätte mir das Herz herausgerissen ihn einschläfern zu müssen. Jeden Tag habe ich ihn besucht und jeden Tag hat er mich gefragt wann er endlich wieder nach Hause darf.
Gott sei Dank ist alles gut gegangen und wir hatten natürlich mit der Tierklinik Lüsche in Vechta und dem Sanakena in Hamburg eine top Betreuung. Die Tierärzte und das Team sind großartig.

Das Pedigree von Aurelius Maximus kann hier vollständig eingesehen werden:

 


Februar 2000
September 2015

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