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Las Vegas 2010 – Zwischen Summerlin und Rio

(Dieser Beitrag ist auch am 30.6.2010 im deutschen PokerStars Blog erschienen.)

Dieses Jahr haben wir uns wieder entschieden in einem Haus zu wohnen und ein Auto zu mieten. Ich muss wirklich sagen, dass das für mich eine ganz andere Lebensqualität bedeutet als wochenlang in einem Hotel auszuharren. Sei es auch in Las Vegas, wo die Hotels ja bekanntlich zu den besten und komfortabelsten der Welt gehören. Wenn man aus dem lauten Rio nach Hause fährt gibt es keine klingelnden Slotmachines, keine Bad Beat Stories auf dem Weg ins Bett (außer den eigenen), weil man Gott und die Welt trifft oder endlose Taxischlangen. Und selbst wenn man das mal möchte: Der Strip ist nicht weit und schläft eh niemals.

Unser Haus liegt in Summerlin, etwa 20-25 Minuten vom Rio entfernt. Gated Community, 3 Schlafzimmer, 2 Bäder, schöner Wohnraum mit Küche, Garten und Pool.

Jan war eine Woche vor mir nach Vegas gereist, Daniel und ich sind seit dem 3.6. hier. Die ersten Tage habe ich mit der Akklimatisierung, im wahrsten Sinne des Wortes, verbracht. In Hamburg waren bei meiner Abreise süße 12 Grad und ich musste noch mit Pulli & Windjacke aufs Pferd. Hier schlugen uns dann gleich ü35 entgegen. Als ich aus dem Flughafengebäude kam, dachte ich, ich stehe noch direkt unter der laufenden Condor-Turbine.

3k H.O.R.S.E. Event – Day2

Ein paar Tage später habe ich im Venetian dann mein erstes Turnier gespielt. 550-er PLO Deepstack Extravaganza. Am 2. Tag bin ich dann (im Geld) natürlich gegen einen dummen 2-outer gebustet. Diese Deepstack-Serie spielt sich in den ersten Leveln ganz gut, nimmt aber deutlich an Qualität ab sobald man tief im Turnier ist. Der Average ist dann etwa so bei 15BB und damit kommt man bekanntlich nicht weit. Auf keinen Fall darf man einen Showdown verlieren. So did I.

Die Tage darauf spiele ich Cash Game PLO abwechselnd im Rio und Venetian. Im Rio sind mehr Tische und wildere Spieler, im Venetian sitzt man besser und hat mehr Komfort. Mir ist das eine so recht wie das andere.

Zwischendurch versuche ich ein paar Turniere im Rio bei der WSOP. Ein 1k NLHE mit Massenandrang, ein 2.5k PLO, ein 3k HORSE und ein 2,5k Razz. Im PLO brauchte es 5 Level und gefühlte 100 Cooler um mich raus zu befördern. Im Razz schaffe ich es unter den Top-Chipcounts in den 2. Tag und muss mir ungelogen 20 Mal den König zum Öffnen ansehen. Darunter ein weiterer König oder Damen oder sogar rolled-up waren dabei. Kurz vor dem Geld konnte ich dann auch nichts mehr mit A-2-3 machen und war raus. Dafür ging es beim HORSE etwas besser. Allerdings bekam mein bis dahin guter Stack am zweiten Tag einen richtigen Einsturz, als mich ein Teamkollege mit K high und einem Paar 5 offen beim Razz chased und runner-runner Gutshot für ein Wheel trifft. Well played, Sir! Ich hab mich ja daran gewöhnt, dass ich als Frau und auch noch Team Pro eine Fold Equity von gleich null habe, aber das war mal wieder echt verrückt. Danach wird mein Tisch aufgelöst und wie der Teufel es so will, es geht gar nichts mehr und ich scheide als 34. (Gott sei Dank im Geld) mit Flush vs. Full House im Stud aus.

Zwischendurch ist es im Rio so kalt, dass ich mir von einem Cocktail Waiter Socken besorgen lasse und die Klimaumschwünge sind so extrem, dass ich täglich mit Nasenbluten und Kopfschmerzen zu kämpfen habe.

Also als Tipp für Las Vegas: Taschentücher, Tabletten und Kleidung in jeder Variante bei jeder Variante.

Aber es gibt auch wirklich tolle Sachen, die einem hier das Leben angenehm machen. Zu einem ist es die Vielfalt und Qualität der Restaurants.

Wenn man gerne Fleisch isst kommt man um das Texas de Brasil, einer brasilianischen Churrascaria, nicht herum. Das Restaurant ist sehr geschmackvoll und doch gemütlich eingerichtet, der Service erstklassig und selbst das Vorspeisenbuffet kann mit den stadtbesten Italienern mithalten. Reservierung ist fast ein MUSS. Das Restaurant ist fast immer ausgebucht und uns ist es schon passiert, dass wir wieder unverrichteter Dinge ins Auto steigen durften. Danach schmeckt selbst zum Trost Jack-in-the-Box nicht mehr.

Gleich nebenan liegt das Town Square. Diese Einkaufsmeile unterscheidet sich deutlich von denen, die man in Vegas sonst so kennt. Weder ein künstlicher Himmel mit wechselndem künstlichem Wetter, noch steriler, viel zu glatter Marmorboden oder gar Vanille-Fake-Luft. Das Town Square ist etwas für diejenigen, die ein wenig Heimweh nach Hause haben. Eine Mischung aller schönen großen europäischen Städte, maximal 2-stöckige Gebäude und vielen Bäumen an den Straßen. Allein die Außentemperatur erinnert immer wieder daran, dass man eigentlich mitten in der Wüste ist.

Unser Verdauungsspaziergang vom Texas de Brasil führen Jan und Daniel in den Apple Store, ich biege derweil bei Soma ein. Schließlich kauft jeder was er so persönlich am Pokertisch braucht: Jan das iPad gegen die Langeweile und ich einen neuen Push-up auch gegen die Langeweile. Meine PLO-Jungs wollen ja schließlich auch unterhalten werden… 🙂 Auf dem Heimweg noch schnell einen Milkshake bei Wendy´s und ab auf den Highway nach Hause. That´s the american way of life.

Man könnte sich fast daran gewöhnen. Aber es gibt hier ein paar Dinge, die ich um nichts in der Welt länger als 5 Wochen am Stück hören möchte. Das erste ist „Yaay“, welches immer, vorzugsweise von amerikanischen Frauen, benutzt wird. Und zwar zu jeder Gelegenheit. Ob sie ein Ass gedealt bekommen, das Essen serviert wird oder einfach die Umkleidekabine nicht besetzt ist. Alles ist „Yaay“. Das zweite woran ich mich nur schwer gewöhnen kann sind die übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen. Neulich waren wir auf dem Stratosphere Tower und selbst dort geht nichts ohne Ausweis, Taschen ausleeren und Pieper mit Security-Mann. Das vermiest einem schon die schöne Aussicht im Ansatz.

Apropos schöne Aussicht: Das Wynn bzw. Encore hat eine neue kleine Ecke angebaut. Den Beach Club. Das sieht so Sahne aus, dass wir uns wahrscheinlich morgen mal einen Day-Pass besorgen. Tagsüber ist es eine supergeile Poolanlage mit Cabanas und ab Sonnenuntergang ein Partyclub.

See you in Vegas, Baby. Yaay!

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