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Vancouver (4)

Am nächsten Abend hab ich früher Schluß und verabrede mich zum Dinner. Gut, dass die Welt klein ist und ich selbst an diesem Ende der Erde jemanden kenne.
Hansi holt mich im Hotel ab und ich freu mich auf nette Stunden mit gutem Essen & Klönschnack. Er ist der Sohn unserer ehemaligen Reitstall-Verpächterin und gut befreundet mit unserer Familie – wie es eben auf einem Dorf so üblich ist. Man kennt sich, mag sich und rettet sich auch mal in Vancouver. Hansi macht tolles Sightseeing mit mir und wir landen in einem urigen Steakhouse auf einem Berg mit dem Blick auf die Vancouver-Außenalster.

Nach kanadisch-asiatischer Vorspeise gibt’s Steak so groß und lecker wie die Augen von Betty Boob, anschließend probieren wir die Weinkarte hoch und runter – draußen sitzend am Kamin bei 16 Grad mit den Füßen auf dem Tisch. Kanadische Gemütlichkeit. Danke, Hansi!

1_hansi

Aber die Arbeit geht weiter.
Fast alle Szenen sind nach ein paar Tagen im Kasten. Ich bin die letzte, die ihren Outdoor-Teil noch nicht fertig hat. Es sei leider sehr aufwendig, ich hätte insgesamt 4 verschiedene Sets und die Straßensperren seien am Samstag in der Innenstadt etwas kompliziert.

Strassensperren? Oh my God.

Wer so etwas noch nicht mitgemacht hat, kann es sich kaum vorstellen. In so einer Filmcrew sind etwa 200 Leute, der Technik-Stuff sieht aus, als würde man eine Marslandung inclusive Bevölkerung planen und die Nerven liegen bei allen blank weil jede Sekunde ein Vermögen kostet. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gesamtschlafzeit der Crew vielleicht auf 6 Stunden in 7 Tagen kommt.

1Deeen

Um 5.00 am Samstagmorgen klopfen die Shitas, Carey die Visagistin und – man glaubt es kaum- mein Double an. Ich bin erleichtert. Vorläufig. Sie ist groß, blond und hat meine Figur. Sie wird einen sehr schönen angenehmen Tag haben, denn sie kommt leider nicht zum Einsatz. Joseph entscheidet sich nämlich dafür in jeder Szene mein gequältes Gesicht zu haben. Um diesen Zustand herzustellen bedarf es nicht viel und schon gar keiner Visagistin, denn das was ich drehe ist etwas für jemanden der in seinem früheren Leben sehr böse gewesen sein muss.

Ich werde im Hotelzimmer angezogen und geschminkt. Letzteres hätten wir uns sparen können. Als wir zusammen im engen Zimmerflur stehen und uns und die Klamotten raus bugsieren wollen haut mir Carey mit Schmackes ausversehen die Türkante ins Auge. Mir wird schwindelig und panisch wird nach Eis gesucht um ein Veilchen zu verhindern.

Wir fahren zum ersten Drehort. Vancouver – Bronx.

Ein Teil der Mannschaft ist schon da und ich beäuge misstrauisch den großen kanadischen Feuerwehrwagen, gemietet von der Stadt Vancouver. Dieses Teil wird mich verfolgen, den ganzen lieben Tag lang.

1feuerwehrauto

Als wir so auf der Straße sitzen und warten frage ich mal vorsichtig nach wo ich mich eigentlich während des Drehs umziehen soll. Öhm, ja. Da müssen wir improvisieren. Macht nix – das tun wir ja seit Tagen. Sima wird derweil mitten auf der Straße die Handtasche geklaut. „Oh, yes. They are really quick here.“ Leider waren ihre Kontaktlinsen drin und ich bete, dass das nicht noch mehr Nebenwirkungen für mein Outfit bedeutet.

Die weiteren Drehorte werden vorbereitet, die Crew und der Feuerwehrwagen moved natürlich immer mit, alles dauert Stunden. Es regnet ununterbrochen, es sind 15 Grad und auch ich beginne lansam Vancouver irgendwie scheiße zu finden. Ich frage mich das schon seit langem: Wie zum Teufel kann man freiwillig Fotomodell oder Schauspieler werden wollen?

Meine Lippen werden blau. Carey versucht mit Schminke gegenzuhalten. Meine gesamte Haut ist blau. Ich fühle eine beginnende Lungenentzündung. Mitten auf der Straße wird für mich ein Gasbrenner aufgestellt. Ich stelle mich davor um irgendwie im Ansatz warm zu werden. „Don´t go to close – you will be BBQ.“ Mir ist so kalt – ich würde mich am liebsten direkt auf das Rost legen. Meine Klamotten beginnen sofort an zu qualmen. “She is steaming!”.

„Yes, I am really on Tilt“.

Zwischendurch kommen PokerStars-Leute um mich zu trösten und mich zum Weitermachen zu motivieren. Ich mache zu deren Beruhigung noch mal klar, dass ich keine Angst vor Arbeit habe -ganz egal was es ist- ich will nur dass das Ergebnis gut wird. Zwischendurch frage ich einfach Chef Joseph was er meint. „I made Britney Spears happy – so don´t worry“. Sein Wort in Gottes Ohr.

1nassFeierabend und endlich trocken werden

Immerhin hat er Vanessa gehängt, Isabelle durfte endlich wütend um sich schlagen und er hat das Kunststück fertig bekommen Daniel wach zu raisen. Der war nämlich die Nacht vor seinem Outdoor-Dreh versackt und hatte einfach die Zimmertür nicht aufgemacht.

Man darf gespannt sein. Bin ich selber. Ab September.

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