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„Ocho con recibo“

Barcelona ist schon eine Reise wert, nicht nur weil dort letzte Woche das Auftaktturnier der EPT stattfand. Diese Stadt ist schon Jahren mein Favorit, weil sie einfach alles hat: Wunderschöne Architektur, mediteranes Wetter, europäisch-zentral gelegen und einen angenehmen Tagesrytmus. Man schläft etwas länger, Frühstück besteht aus Zigarette – Donut – Kaffee, Mittagessen zwischen 14.00 und 16.00 und abends macht man halt so lange bis einem die Augen zufallen.

BarcelonaEines von Gaudis Zuckerhäuschen

Als wir in Barcelona gelandet waren gabs für mich sofort ein richtiges „Zu Hause Gefühl“, denn ich habe hier 2 Jahre gelebt und gearbeitet. Gleich die Fahrt zum Hotel war typisch: Stau in Richtung Innenstadt. So hatte ich ein wenig Zeit mir die Umgebung anzusehen. Die Barcelonetta war ganz neu gemacht, die Stadtbewohner haben jetzt einen tollen Strand mit jeder Menge Bars und Restaurants, direkt am Meer. Das Hafenviertel sieht klasse aus. Früher musste man hier die Handtaschen festhalten und sich schön unterm Licht aufhalten, jetzt ist alles ‚muy elegante‘. Das Casino, wo das EPT mit 480 Leuten stattfinden sollte liegt auch hier.

Also schnell ins Hotel „Hilton Diagonal Mar“, umziehen, Pass schnappen und ab zum Casino, wo PokerStars einen Welcome-Abend veranstaltete. Das Casino hat strenge Einlassvorschriften: Jedesmal melden am Counter, sich registrieren, Eintrittszettel abholen, Kontrolle zum eigentlichen Casinoeingang usw. Ganz untypisch für Spanien. Unten im Casino dann das Übliche: Abzocker-Black-Jack und Roulette, Glücksrad und jede Menge Pokertische. Alles ziemlich eng gestellt, viel zu viele Leute. Das Turnier war ja restlos ausverkauft. Ok, nachdem wir dann unsere Welcome-Drinks genommen hatten bließ Courtney die Mannschaft zusammen um zum Abendessen zu gehen. Irgendwo war ein Restaurant gemietet worden. Also alle raus aus dem Casino und kaum hatten wir die Mitte der Strasse erreicht fing es an zu regnen. Nein, es schüttete, nein es goss, nein jemand stand mit einem Feuerwehrschlauch am Himmel und liess laufen. Es war unbeschreiblich. Zurück? Nach vorne ins Einkaufszentrum? Wohin? Egal, wir waren so nass, es spielte keine Rolle. Die Platzregen kommen immer im September so ruckartig, dass Mütter ihre Kinder wie Seemänner antäuen, damit sie nicht auf der Strasse wegschwimmen.

barcelona_nass

Wir retteten uns dann in das Einkaufszentrum und enterten den erstbesten Italiener. Platz gabs nur noch auf der gott sei Dank überdachten Terasse. Wir Mädchen sahen aus wie aus einem Wet-T-shirt-Contest, die Kerle wie nach einer Seeschlacht. Aber alle waren relativ fröhlich, es war ja warm und es würde Essen geben. Gleich beim Essen merkte man, dass Zocker unterwegs sind. Es wurden sofort Wetten (um Geld) angezettelt: Wieviele Buchstaben hat der Name der Kellnerin? Wie lange ist das Ehepaar am Nachbartisch verheiratet? Wie hoch ist die Gesamtrechnung? Nachdem Joe Hachem dann dem Rosenverkäufer auch noch alle Stengel abgekauft hatte war der Abend gerettet.

Am nächsten Tag hatte ich meinen ersten Spieltag. Gewohntes Chaos bei der Registrierung, die Warteschlange lud aber dazu ein lauter Leute zu treffen und schön zu schwatzen. Ich hatte meinen Platz gezogen, ganz hinten in einer Ecke und hab mich dann häuslich eingerichtet. Mein Ziel war den Tag mit Durchschnitts- oder mehr Chips zu beenden. Ca. 15 Stunden standen uns bevor, inklusive Dinnerbreak und Pipipausen. Die Spieler an meinem Tisch waren bunt gemischt. Alles war vertreten: Der hyperaggro Schwede, ruhige Dänen, erfolgreiche Pros. Mein direkter Nachbar kam aus der Schweiz, der sich bei PokerStars qualifiziert hatte. Ein sehr netter Kerl, wir haben uns gegenseitig mit Kaffee und RedBull versorgt. Der Tag ging für mich sehr langsam rum. Ich habe insgesamt nur 4 Hände durchgezogen und jeweils volle Auszahlung erhalten. Bisschen Blinds links und rechts klauen natürlich, aber ich hab mich grundsätzlich zurückgehalten. Den Tag hab ich dann mit ca. 35.000 Chips beendet, der Average lag bei 26.000. In unserem Feld waren noch ca. 80 Spieler von 240 übrig. Leider erwischte es an diesem Tag Sebastian, meine Lieblings-Luckbox und auch Seri, der sich ebenfalls bei PokerStars qualifiziert hatte. Es ist nicht so einfach sich über Stunden und Stunden zu konzentrieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber was auch wieder an Glücksrittern unterwegs war – unbeschreiblich!

Hotelbar_kleinSeri – Andrea – Luckbox

Der nächste Tag war frei. Wir haben ausgeschlafen, sind rumgebummelt und haben uns im Casino rumgetrieben. Im zweiten Starterfeld waren u.a. Michael Keiner und auch Phil Ivey. Beide an einem Tisch und nur um mal zu erzählen wie es so laufen kann und warum Ivey so erfolgreich ist: Er hat noch 12.000 chips und schiebt out-of-position mit K6o alles rein. Michi Keiner sitzt auf dem Big Blind mit AQ und 50.000 Chips. Er zahlt natürlich. Was kommt? Richtig. König. Ivey doppelt sich ab. Und so gings weiter. Crackt AA mit 67 uns so weiter. Ist das nun gutes Spiel oder was? Wo zum Henker kann ich das Buch kaufen? Ich könnte kotzen wenn ich nur zusehe. Devilfish verabschiedet mich immer ins Turnier mit den Worten: „Play good – get lucky“. Also mit dem Letzteren hab ich so meine Probleme. Ich muss sagen, dass ich zu 90% die beste Hand habe wenns um die Wurst geht und zu 90% gegen die schlechte Hand ausscheide. Vielleicht hilft das ein wenig wenn ich mal hier rumheule. Wer den 50outs-Blog liest weiss was ich meine und wie wir immer ausscheiden: WSOP KK vs 44, WSOP Rolled-up Trips vs runner-runner Schrott, AA mit A im Flop vs Gutshot river usw. Und jedes Mal ging es um richtig Geld. Das meiste verdränge ich ja schon um meinen Kopf nicht zu belasten.

Tag zwei startete für mich und alle anderen um 17.00 Uhr. Thomas Kremser hatte alles perfekt organisiert denn die spanischen Dealer sind nicht so einfach. Endweder verstehen sie kein Englisch, haben Probleme den Sidepot auszurechnen oder sind sonst irgendwie pampig. Aber er hatte die Bande gut im Griff. Die Plätze wurden neu ausgelost, denn es kamen ja noch ca. 80 Spieler vom Vortag hinzu, so dass wir nun die letzten 160 im Rennen waren. 45 sollten ins Geld kommen, also ein langer Weg. Ich hatte diesmal einen richtig blöden Platz; mitten im Gang, jeder stieß an meinen Stuhl beim Vorbeigehen, es war laut und die allgeine Stimmung angespannt. Meine Tischkameraden kannte ich zum Teil. Teamkollege Umberto Brenes sass da, ein weiterer Onlinequalifier und noch 1-2 Typen mit denen ich schon gespielt hatte.

Es ging auch gleich richtig los. Humberto hatte etwa Average Chips und machte wilde Moves gepaart mit seiner unnachahmlichen Gestik gegen den Schweden auf seiner linken. Er schied dann leider auch nach 1 Stunde aus. Somit war ich die Letzte aus dem Team PokerStars, die noch im Turnier war. Luca, Isabelle, Joe, alle schon raus. Ich saß eigentlich nur rum, war genervt von den schubsenden Leuten und den absoluten Schrottkarten. Nach ca. 2 Stunden sind noch so 90 Leute drin, also jeder 2. im Geld. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, es war mir unmöglich meinen Fokus ausschliesslich auf das Spiel zu lenken. Ständig hab ich nach Thomas Kremser (wie immer am elegantesten angezogen)
geschaut wann der Tisch endlich aufgelöst würde. Oh man, das war natürlich keine gute Strategie und weit weg vom „Gewinnen-wollen“. So kams dann auch. Ich picke (viel zu spät) nach über 2 Stunden die erste Situation ab mit AJ, anscheinend meine Lieblings-Ausscheide-Hand. Der Chipleader mit ca. 70.000 macht seinen Standard-raise. Im Pot sind etwa 12.000. Ich hab noch 30.000 Chips und raise all-in. Was zum Henker hat mich da geritten? Vielleicht hab ich gehofft er hat ein schlechteres A (wie so oft) oder KQ oder oder oder. Auf jeden Fall leider nichts von dem. Er callt und zeigt AA. Na prima. Ich krieg keine Hilfe vom Board und scheide als 89te aus.

Phil Ivey segelt an den Finaltisch und wird 2. Ich glaube er hatte 70% die schlechtere Hand gegen seine Gegner, zumindest Preflop. Der Pokergott spuckt halt auf den größten Haufen.

Bei uns gab’s dann noch schöne Diskussionen; Jan, Michi Keiner und Andreas Krause haben mich dann noch auseinandergenommen. Ich war traurig und habe mir echt Vorwürfe gemacht. Wie konnte ich nur meinen Instinkt und meine Geduld auch nur eine Sekunde verlieren? Das er die bessere Hand hat und gewinnt is ja ok. Es war mein Fehler. Ich denke, ich muss Harrington deswegen nicht noch mal lesen, ich brauch einfach ’n Yoga-Buch und muss autogenes Training machen. Über diese Mega-Kopfhörer hab ich auch schon nachgedacht. Die schirmen jedes Aussengeräusch ab.

Ok, ich bin jetzt in London. Nächster Versuch.

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