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Häagen Dazz und die schwarzen Stoppschilder

Der erste Morgen ist schön. Genau wie mein Zimmer mit der Terrasse.
Der Abfluss im Badezimmerwaschbecken geht zwar nicht, die Klimaanlage lässt selbst mich als Ingenieurstochter verzweifeln aber die aufgestellt Kaffeemaschine von „Melitta“ funktioniert nach Steckdosenwechsel. Ich ignoriere die Bahaemien-Mentalität und mache mich noch verschlafen um 9 ans Wasser.
Am Strand angekommen frage ich mich ob es eine 3-D-Postkarte ist, die jemand als Panorama hingerückt hat. Das Licht ist zum schreien herrlich, das Wetter nicht zu heiß, es gibt Wind und Liegestühle im weissen Sand.

strand

Nach 3 Stunden habe ich genug von der Sonne und gehe in der Casino-Sportsbar ohne schlechtes Gewissen einen leckeren Tuna-Salat essen. Delfine gibt’s hier schließlich in ausreichender Menge.

Ich schlendere noch ein Weilchen herum, es gibt noch kein Poker hier; nur die üblichen Abräumer wie Tropical Stud, BlackJack, Dice und Roulette mit Doppel-Zero. Alles ab minimum $ 100 Einsatz. Ich entscheide mich für nichts davon und kaufe mir stattdessen 2 neue Kleider statt dem Casino meine Kohle in den Rachen zu schieben.

Gegen 6 wird’s dunkel und ich laufe durch die Anlage um noch irgendwoher einen Milchshake zu bekommen. Der Weg zu „Häagen Dazz“ führt durch die Marinas, einem  Anlegesteg der Superreichen. Ich bin wirklich schwer zu beeindrucken;  das wissen mein Mann, meine Freunde, meine Familie und auch mein bockendes Pferd. In der Regel kommt von mir nur ein „Aha“ oder „Ist ja schön“. Ich träume zwar immer von einem Hausboot, aber was hier rumdümpelt sind Villen mit Anker. Selbst in St. Tropez oder Monte Carlo hab ich so eine Ansammlung nicht gesehen.
Schaaaaaaatz, ich will so ein Boot.
Ok, wird er sagen, dann streng Dich halt an. Aber selbst wenn ich hier die PCA gewinnen würde, es reicht grad mal für die erste Leasingrate, Liegegebühren, das Personal und den Sprit. Wie gesagt, es sind keine herrschaftlichen Yachten, es sind mehrstöckige schwimmende Villen.

Ich lasse mir für 7$ -wir sind schließlich auf den Marinas- einen Milchshake machen, schlendere weiter und blicke zufällig in eines der vielen Wasserbassins. Ich frage mich wie die Amerikaner hier so ungesichert entspannt Urlaub machen können. Die drehen ja sonst schon durch wenn ab dem 2. Stock ohne Sicherheitsriegel die Fenster aufgehen.
Ein Becken voller Leben und das ganz ohne Warnschilder und Elektrozaun! Wer den Fuß reinhält ist selber schuld und verliert mindestens einen Zeh.
Es sind unzählige Haie und Mantas. Letztere liegen wie große träge Stoppschilder auf dem Grund;  unausweichlich, schwarz, elegant. Wenn sie nicht den Hai-Verkehr regeln, gleiten sie wie die Vampire zu Roman Polanskis Bestzeiten unbeeindruckt durch das schimmernde Nichts. Ich bin so fasziniert, dass mein Milchshake schmilzt.

Nach längerer Beobachtung des Treibens im Becken ist der Poker-Begriff „Shark“ bei mir neu definiert. Die Haie machen zwar mit ihrer festen Haut einen starken und unverwundbaren Eindruck, sie sind aber leicht zu durchschauen und in ihrer Art zu offensichtlich. Einen Check-Raise kriegen die keinesfalls hin. Bluffen können sie auch nicht. Da gibt’s nur fold oder zubeißen. Außerdem halten sie respektvoll einen merklichen Sicherheitsabstand zu den Mantas und befolgen deren Straßenordnung ohne Gegenwehr.

Ich hoffe nun, das keiner am 5. Januar schwarze Straßenschilder an meinem Tisch hochhält. Sharks sind mir egal. Aber das waren sie eigentlich schon immer. Jetzt weiß ich endlich warum.

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