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Guten Tag, Herr Kaiser!

Normalerweise fahren wir nur im Sommer in Richtung Ostsee. Schön auf der Lieblings-Stau-Autobahn A7, morgens vor dem Aufstehen mit Sonnencreme & Bikini im Handgepäck.
Diesmal haben wir den kalten November, Winterjacken und einen Termin mit Spiegel TV dabei.

Wir machen uns pünkllich auf den Weg, denn um 19.30 sollen wir uns mit dem Fernsehteam an der Bar des Casinos Kiel treffen. Geplant ist eine Aufzeichnung für „Spiegel TV Reportage“ die im Rahmen einer Casinosendung auch Poker zeigen will. Ich soll dort ein 100 EUR NLHE Turnier spielen und für ein Interview zur Verfügung stehen.
Bereits um 7 sind wir schon am Skandinavien-Kai und promt macht mein Schatzi Anstalten „noch mal schnell“ bei MacDO reinschauen zu wollen. Da mir aber aus empirischer Erfahrung klar wird, dass das für mich nur in Bauchschmerzen endet, entscheiden wir uns für eine echte kieler Hafenkneipe. Im verräucherten Ambiente bekommen wir lauwarme Fleischspiesse und Frikadellen mit Kartoffelsalat serviert. Die Cola ist aus einem Automaten und jeder, der das kennt, weiss: Pipiwarm, schmeckt null nach Original und ohne Kohlensäure. Ok, soweit nichts Neues. Ja, ich gebs zu: MacDo wär doch besser gewesen.

Also pünklich erscheinen wir im Casino.
Frau Seidenspinner die Redakteurin, Theo der Kameramann und Jan für den Ton sind bereits da. Aber zu allererst stolpern wir fast über Frank „Tanke“ und Helge den I. Die beiden spielen regelmäßig Poker mit uns in Hamburg und Schenefeld. Im Laufe des Abends stellen wir fest, dass es sehr viele „Doppelte“ gibt. Also die Pokerfamilie ist doch noch recht überschaubar in Deutschland. Verstecken kann man sich halt nicht…

spiegeltvteamxUta Seidenspinner, Katja und Theo

Aber das darf ich ja sowieso nicht.
Nach einer kurzen Vorbesprechung werde ich beim Einchecken ins Casino gefilmt („Sehr schön, bitte noch mal“), gebe das erste Interview mitten im Casino und dann folgt noch das Abfilmen wie ich mich in das Turnier einkaufe. Mein PokerStars Jacket muss ich ausziehen. Der Casino-Chef hat Angst, dass niemend mehr kommt und alle nur noch online von zu Hause aus zocken.
Ich hatte die Redakteurin mehrfach gebeten keine Fragen über Geld oder Verdienst zu fragen, da ich diese Fragen eh nicht beantworte. Natürlich kam trotzdem in jedem 3. Satz „Wieviel“, „Wieviel kostet“ und „Wieviel wird kosten“. Oh man, ich war schon nach 15 Minuten bedient und gott sei dank hab ich ein Pokerface.
Die anderen Turnierteilnehmer nahmen es fast alle mit Geduld hin, dass dort nun so ein Aufhebens gemacht wurde. Ich kann Genervte verstehen die da in Ruhe ein Turnier spielen wollen und dann gehts Hin und Her.

franktvxFrank „Tanke“ am Finaltisch

Also es geht los.
Es sind insgesamt 33 Teilnehmer an 3 Tischen. Der sehr nette Pokerchef bläst etwas verspätet zum Aufbruch. Die Struktur ist etwa die gleiche wie das Weekly in Schenefeld: 1500 Startchips, 15 min Level, Blinds zu beginn 20/40, dann jeweils verdoppelt. Ich mache dem TV Team nochmal klar, dass ich nicht ständig meine Karten für die Kamera hochhalten kann und keine Kommentare während des Spielablaufs gebe. Ich bin zwar nur da um den Zuschauern später zu Hause Poker etwas näher zu bringen, aber dieses ginge dann doch nicht. Theo steht abwechselnd vor oder hinter mir und versucht schöne Bilder einzufangen. Da ich einen sehr netten fröhlichen Tisch habe ist dies bestimmt gelungen.

Wir witzeln alle rum und haben Spass. Das Spiel ist anscheinend durch die Kameras so aufgeheizt, dass im ersten Level bereits 3 Leute ausscheiden. Ich krieg nach 10 min KK aufm BB und reraise nochmal mit der Ansage ich bräuchte neue Stiefel. Alle passen und ich gewinn schon mal den Linken. Es wird übrigens sofort bei 20/40 Blind mit jeder x-Karte auf 200 erhöht. Das das eine Selbstmordfahrt wird war mir von Anfang an klar. Lucky Donkfest. Alle heiss wie brennende Tannenbäume und man darf unter keinen Umständen ein Spiel verlieren.
Nach weiteren 10 min bekomme ich wieder KK, diesmal im SB. Ich mach die Ansage für die cognacfarbenen Overknees, da mir der Rechte ja noch fehlt. Button raist auf 200 wie anscheinend üblich und ich reraise. Die Kohle wandert rein und er zeigt JQ off. Das Board macht ihm 2 Paar und ich bin raus. „So ne gute Karte hab ich Dir gar nicht zugetraut“. Nee, klar.

spiegeltvinterviewxLetztes Interview um 2.30h in der Früh

„Sehr schön, bitte noch mal“.
Theo hat´s verpasst. Frau Seidenspinner fragt, ob ich mich noch mal hinsetzen und weitermachen darf. Ich glaube mittlerweile ich bin nicht nur sprichwörtlich im falschen Film. Ich sage ihr, ich könne ja später ein bisschen Cahgame spielen, da gibt es dann nochmal Bilder und bestimmt auch ein paar verlorenen Könige für Theo. Könige oder Kings werden übrigens in Kiel „Kaiser“ genannt. Auch mein fürs TV extra abgewöhnter Fläsch kommt hier wie selbstverständlich jedem über die Lippen. Ich werde sogar strafend angeschaut als ich „Flush“ annonciere. Keiner weiss was ich meine.

Aber eine allgemeine deutsche Pokersprache muss ja wohl noch entwickelt werden. Sagt man nun „Pass“ oder „Fold“ oder „Weg“ oder was? Na ja ich werde es ausprobieren müssen und mache es 100% keinem recht. In Kiel weiss man nicht was Kings sind und im Internet weiss keiner was n Kaiser is.
Jan ist mittlerweile auch ausgeschieden und wir sitzen an dem 10/20  FLHE. Er heizt den Kieler Sprotten von anfang an so richtig ein. Jede x-Karte wird gecappt, geraist, gereraist. Es wird abgeluckt, abgerivert, gedonkt. Ich sitze ihm gegenüber und geniesse wie er in 1,5 Std 80 BigBets einsammelt während ich 40 vereier. Aber wenn die Kaiser (oder heisst das plural die Kaiser´s?) sich schon n Zacken aus der Krone brechen, wie soll dann ne gefloppte Strasse (oder straight?) gegen 6 4  Fläsch machen?

Frag doch den Mann von der Hamburg Mannheimer.

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