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WSOP 2007 A calf named Katja

Die gehört nach Texas.

Anscheinend erfülle ich ziemlich viele Parameter, die ein ordentliches Weib vorzeigen sollte wenn sie in Texas aus einer Herde ausgesucht werden will: Blond, patent, sitzt manierlich auf jedem Pferd, kann Pokern & Zielspucken und hat keine Angst davor barfuß durch ein 10 Hektar großes Baumwollfeld zu spazieren.

Das dachte sich wohl unter anderem auch Wayne, einer der 4 Texaner an meinem Tisch des Main Events. Nachdem alle umsonst ihr Lasso geschwungen hatten fragt er mich grinsend: „Supper?“

ATexas

Das Wort war mir bis dahin nicht geläufig und ich befürchtete Unanständiges oder gar Schlimmeres. Schlimmeres hätte heißen können, dass sein Angebot daraus besteht, dass ich die nächsten Jahre auf seiner Farm in San Angelo seine karierten Boxershorts in den Wüstenwind hängen darf.

Zu meiner Entspannung aber ruft er seine Frau an, mit der er seit 30 Jahren glücklich verheiratet ist, die einen Tisch für den Dinner Break organisieren soll. Wayne hat nebenbei auch nur eine kleine Farm, eigentlich ist er Präsident der King Fisher Marine Service LP und ein ausgesprochen netter Mensch. Ob er allerdings karierte Unterhosen trägt ist bis dato nicht geklärt.

Jan, Michael Dombrowski, Andy Krause und ich nehmen zusammen mit Wayne & Tami im Fischrestaurant des Rio´s „Supper“. Es wird geschnattert, gegessen, gelacht, getrunken. Poker hat 90 Minuten Pause. Wayne hat beschlossen, da er meinen Namen immer noch nicht unfallfrei aussprechen kann, nachhaltig zu üben. Er wird das neue kleine blonde Kälbchen nach mir taufen.

Jetzt gibt es also eine „Katja“ in Texas und ich hoffe mal, dass ich ihr lockiges Haar noch kraulen darf bevor sie in der Kühltruhe landet. Notfalls nehme ich ein paar Fell-Boots.

An der „Lotterie des Tages“, dem Main Event, nehme ich insgesamt 12 Stunden teil. Mein Stack macht einen Rollercoaster nach dem anderen. Eigentlich unüblich für mein Spiel. Verantwortlich für das Auf und Ab sind zwei wirklich große Hände bzw. Pots, die ich mehr oder weniger unglücklich verliere. Ich poste selten Details weil ich es selber langweilig finde über irgendwie gespielt Hände zu lesen. Man ist nicht involviert, kennt nicht alle Gegebenheiten und am Ende maßt man sich vielleicht noch ungefragt an, darüber zu urteilen.

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Nach 10 Stunden bin ich das erste Mal All-in und kann mich wieder auf 30K Chips erholen. Genützt hat es am Ende nichts, ich scheide nach 12 Stunden aus. Jan hat es 20 Minuten vorher erwischt, er kommt zu mir an den Tisch, blickt auf meinen kläglichen Rest von 12K Chips und will sich verabschieden. „Warte, ich push gleich.“ „Auf keinen Fall. Ich warte hier doch nicht bis Du ausscheidest. Ich will das Du weiterkommst.“ Sprachs und stieg ins Taxi.

20 Minuten später war auch ich im Hotelzimmer. Jan hatte gerade die Hosen fallen gelassen, den Laptop angemacht und das erste was ihm ins Auge sprang war: Katja Thater eliminated.

Das nennt man timing.

Vorher habe ich mich natürlich artig vom Tisch verabschiedet, noch 3-4 offizielle Looser-Fotos für diverse Pokermagazine machen lassen und allen viel Glück gewünscht.

Texas ist bestimmt schön. Und ich hab gehört, dass die Kälbchen dort ein tolles Leben haben bevor sie All-in sind. Besonders die Blonden.

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