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Flushi no come

Nach einer langen Nacht -wir haben noch „Rounders“ auf dem Laptop im Bett geschaut- stehen wir auf und versuchen hier irgendwas zum Frühstück zu bekommen.

Im Pub gibt es so was ähnliches und wir bestellen „Regular Breakfast“. Als wir so in den Sesseln hängen schweift mein Blick über die Wände. Die bestimmt mal sehr teure Seidentapete in englischem Plüschmuster blättert langsam aber stetig. Gehalten wird sie nur noch durch einen Bilderrahmen.

Das Essen kommt.

Die Bedienung reicht uns freudestrahlend Besteck. Wir schauen auf die Teller und wundern uns über einen Eishockey-Puck, der den Teller krönt. Ein schwarzes, festes, glattes, rundes Ding.

puk

Wir entschliessen uns dazu dieses Teil nicht zu probieren. Schließlich sind Zahnbehandlungen in Deutschland ja bekanntlich teuer.

Spieltag 2 beginnt pünktlich um 14.00 Uhr. 109 Überlebende der beiden Vortage finden sich ein, suchen ihre Pätze, packen Tüten aus und inspizieren die Tische.
Ich habe wieder den Tisch1, seat 6. Diesmal steht er aber am anderen Ende den Raumes, mitten im Gang. Zu meiner linken Seite sitzt der „ungewaschene Schwede“ vom Main Event WSOP dieses Jahr. Ich ahne Böses. Gleiche Position, er hat wieder etwas mehr Chips als ich und wir grinsen uns an.
Nach kurzer Zeit wird aber unser Tisch aufgelöst, denn innerhalb weniger Minuten sind es unter 100 Spieler. Im 10. Level werde ich insgesamt 3 x gemoved, so schnell scheiden die Spieler aus.

Am Nachbartisch gehts laut zu: Ade Adebayo kommentiert jeden Move am Tisch, insbesondere seine eigenen. Und das sind viele. Er zeigt seinem Gegener 6 4 off und blufft ihn aus der Hand. Letzte Rettung für alle Teilnehmer ist ein Handtuch, welches ihm Roland de Wolfe vor den Mund hält.

redefluss

Ich habe nach dem letzten Tischwechsel einen ganz guten Platz gefunden. Mein Chipstack hatte sich den 10. level über nicht wesentlich verändert, ich hab paar mal die Blinds bekommen und ein paar mal Blinds bezahlt. Alles ohne große Vorkommnisse. Auf Platz 1 sitzt Paul Testud, der bereits den Kopf einzieht, als er mich sieht. Ein paar mal raise ich auf dem Button, er hat Big Blind, und wirft immer brav weg.
An meinem Tisch und auch um mich herum scheiden die Spieler in rasantem Tempo aus. In kürzester Zeit ist das Feld auf knapp 70 Teilnehmer geschrumpft.

Im 11. Level verabschieden sich auch von meinem Tisch viele; direkte Schleudersitze werden vergeben. Zeitweise sind wir nur noch 5-6 Spieler. So Shorthanded habe ich im Small Blind AJ in Piiiiiiiikkkk. Die Hand ist bis zu mir ungecallt und ungeraist. Der Pot ist dank Ante von 200 bereits 4000. Der Big Blind hat 1600 drin. Ich raise auf 5000 insgesamt. Kevin Vreeswijk, der im BB sitzt, fackelt nicht lange und reraist.

katjachips

In den Spielen, die ich von ihm bisher gesehen habe, erwarte ich eine Karte wie KQ oder ein schlechters A. Ich will die Entscheidung und reraise all-in. Er callt und dreht ausgerechnet bei mir ein Monster um: KK. Der Flop kommt mit 6 7 8 und zwei davon in Pik. Jedes Pik, jedes A und runner-runner straight sind noch möglich mir den Arsch zu retten.

Ich stehe auf dem Stuhl und hypnotisiere das Board, der verschwitze Dealer zuckelt für den Turn eine herzrote Vier hervor. Das war schon mal nix. Der River kommt als Karo Drei. Punkt.

„Flushi no come“ sagt der alte Chinese. Insider wissen wen ich meine.

Irgendwie ist immer Pik und auch AJ involviert wenn ich ausscheide.
Was hätte ich besser machen können? AJ im Small Blind einfach passen? Nach seinem Reraise passen?
Ich denke nicht. Spätestens auf dem Flop gebe ich die Karte nicht mehr auf und spiele sogar noch + wenn er setzt.

Jetzt werde ich Jan & Thang ein wenig die Daumen drücken. Beide spielen das 500-er NLHE Turnier mit 220 Teilnehmern. Gerade kam Jan hier in den Presseraum. Ich hab schon n Schreck bekommen, aber es ist die erste Pause. Er kaut etwas lustlos an seinem KitKat herum und meint er sei unmotiviert. Kann ich verstehen.

Während ich hier am Laptop sitze und den TV Tisch von hier aus via Bildschirm beobachte kommt nochmal eine spannende Hand: Andy Black raist Preflop, bekommt ein Reraise und er rereraist mit 100.000 Chips all-in. Der Gegner zahlt. Showdown: Andy hat 9-9 und sein Gegner K-K. Der Flop kommt mit 2 Herz, wovon Andy eines hat. Turn K in Herz. River A herz. Uppps. Andy cracked die Kings.

Danach ist Pause.

Er kommt extra in den Pressraum zu mir um mich zu küssen und mir die Geschichte zu erzählen. „Weisst Du, ich zahle obwohl ich ahne ich bin stehend tot“ sagt er. Aber wir sind in Irland, in seiner Heimat und manchmal muss man halt was Irres tun, damit man Ir(r)e ist.

Ich mag ihn. Schade, dass wir keinen Trikot-Tausch machen können.

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