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…und noch 30 Minuten bis Buffalo!

„John Maynard“, Theodor Fontane

The same procedure as last year (bitte zuerst lesen, wer´s noch nicht hat: Teil1, Teil2, Teil3, Teil4): PokerStars dreht neue Werbespots und bittet erneut nach Kanada, diesmal an die Ostküste. Insgesamt 19 PS Kollegen besteigen in Las Vegas die Air Canada in Richtung Toronto. Da das Team immer größer wird und damit auch unübersichtlicher, eröffnen sich für manche ganz ungeahnte Möglichkeiten. Einige verpassen ganz Ausversehen den Flug, andere sind gleich tagelang nicht aufzufinden.

1Toronto_Ankunft

Unsere Managerin hat wahrscheinlich auch ein wenig den Überblick verloren, denn bei der Ankunft am Flughafen kommt es zu einer kleinen Überraschung. Keiner von uns hat eine notwendige gültige Arbeitserlaubnis, geschweige denn die teilweise erforderlichen Visa zur Einreise. Da nun das ganze Projekt im Ansatz zu platzen scheint, da kein Spielfilm ohne Schauspieler gedreht werden kann, entschließen wir uns zu einem klassischen Move out of position: „Push mit any 2“.

Leider zieht das Argument „Kegelclub auf Landpartie“ irgendwie nicht, da wir aufgrund unserer Anzahl und den schwarzen Jacken wohl bedrohlich auf die Einreisebehörde wirken.

Es wird also der Flop abgewartet und zwischenzeitlich diskutiert. Leider kriegen wir einen Bad Beat und  Joe kommt so langsam auf Tilt. Erstens ist das Corona alle und zweitens ist das Corona alle.

An jedem Schalter steht nun ein PS TeamMember und versucht im Heads-up die Einreisebeamten davon zu überzeugen, dass er sich nicht illegal im Land aufhalten möchte, sondern hier nur einen kurzen Arbeitsauftrag ausführen will. Die jeweiligen Staatsdiener spielen mal aggressiv, mal tight, mal weak. Wir versuchen zu bluffen was das Zeug hält, denn das ist die einzige Chance irgendwie den Pot zu gewinnen. Joe versucht es mit Logik, Chris rät seinem Beamten zum Googlen und ich kann erfolgreich meine Blondnummer mit Augenaufschlag durchziehen. „Wie sieht es bei Dir aus, Luca? Biste gleich durch?“ „Fifty-fifty. Sieht gut aus, River kommt aber noch.“

Nachdem fast jeder die Einreise wie durch ein Wunder ohne Papiere hinter sich gebracht hat und wir nur noch aufeinander wartend herumstehen, lässt uns eine kreischende Stimme zusammenzucken:“Halt, alle zurück! Wer kommt hier aus Russland?“

Ich wusste es doch, die Russen können einfach kein Heads-up spielen. Jetzt riecht es nach Ärger. Danke, Alex. Eigentlich dachte ich immer, dass man sich in Moskau sämtliche Ausweise in sämtlichen Nationalitäten auf jedem Wochenmarkt drucken lassen kann. Dumm gelaufen.
Umberto wird blass. Ob er jetzt ins Gefängnis muss? Der blöde Beamte soll doch mal versuchen das Wort „Shark“ auf puerto-ricanisch zu buchstabieren: HUMBERTO! Alle lachen, aber es nützt nix. Jeder, der ein Visa braucht und keins vorzeigen kann, muss auf die kanadische Bibel schwören und wird nur mit der Auflage ins Land gelassen umgehend nach Buffalo zu fahren um sich ein solches zu besorgen.

1Humberto

Von nun an ist „Buffalo“ unser running Gag.
Das Städtchen ist etwa 2 Autostunden von Toronto entfernt und gehört zum Staat N.Y. Buffalo ist etwa mit das Hässlichste, was die USA zu bieten hat. Ein typisches Immigrantennest, aber es gibt die heißbegehrten Papiere.

Die nächsten Tage beginnen früh, enden spät und sind nur mit schwarzem Humor zu ertragen. Davon haben wir reichlich. Schließlich ist diesmal John Duthie dabei.
Diejenigen, die das Spektakel bereits letztes Jahr mitgemacht haben, sind klar im Vorteil. Die gleiche Crew, die gleiche Arbeit, das gleiche Chaos, nur alles doppelt so groß und teuer. Es wird gemault. William will nicht schon wieder vom Sofa, Dario ist online in Brand und kann jetzt keinesfalls zum Set und Isabelle hat Migräne. Megan, unsere 2. Team-Managerin, behält fast als einzige die Nerven und handled den Laden lächelnd mit britischem Drill.

1_luca

Die meiste Zeit hausen wir also in dem viel zu kleinen Aufenthaltsraum neben der Wardrobe. Die Arbeit an einem Set sieht in der Regel so aus: Morgens früh gegen halb sieben kommt man in die Maske. Bei den Kerlen geht das meistens Ruck-Zuck, an uns Mädels wird mit ausgiebiger Liebe herum geschraubt. Wir machen unsere 7-Uhr-Standard-Witze über Marcin oder Andre, zu welcher Seite diesmal die Glatze oder der Meckie gekämmt werden soll oder lästern über den Drehplan. „Bitte nehmen Sie die Maske ab!“ „Welche Maske?“. Anschließend wird man angezogen und „on hold“ gesetzt.

1_wardrobeNoch ist sie leer, die Maske…morgens um 6


1_awrdrobexWardrobe

Das heißt warten. Manchmal stundenlang. Die Anzahl der Sofas in dem Verschlag reicht nicht aus, daher liegen und dösen wir quasi übereinander. Zu zweit oder dritt unter gemopsten Bettdecken aus dem Hotel, Laptops auf dem Schoss und auswärts bestelltem Essen. „Was ist das denn für ein Food?“ „Aus Jamaika.“ „Oh, sag bloß. Und dann ist das noch so warm?“. Nur Andre kann als Einziger zwischendurch sogar in der großen Lagerhalle pennen. Da er direkt aus Sao Paulo stammt und dort wohl mit offenem Fenster schläft machen ihm anscheinend ein lautes und staubiges Schlafzimmer nicht so viel aus. Für jeden normalen Menschen muss es sich anfühlen, als würde ein Bus über den Kopf fahren und dabei die Kupplung entlüften.

1_andreAndre beim Mittags-Schläfchen

So verbringen wir also unsere Tage in Kanada. Zwischen heißen Lampen, Blitzlichtern, hysterischen Regisseuren am Set oder wartend in der „Principal Talent Holding“. Und wir haben ein ausgesprochenes Talent geschickt die Langeweile zu überbrücken.

1_Talent_roomHier hausen die Talente

Wir stellen z.B. einen Guideline in verschiedenen Sprachen für die kommende EPT zusammen. Marcin weist uns in die polnische Fäkal-Sprachkultur ein und Alex unterrichtet uns in russischen Schimpfwörtern und deren Gebrauch im Straßenverkehr. Ich fürchte allerdings, dass Elky einen Penalty in Dortmund bekommt, wenn er am Tisch zum Floor „Leg Dich gehackt“ sagt. Zu seinem Übel spricht er es auch noch komplett unfallfrei aus.

1toronto2_AufenthaltsraumAlex, Alexandre, Andre, Elky und Marcin

Über den Inhalt der Spots darf ich natürlich nichts verraten. Nur, dass es erneut um „Sport“ geht. Wahrscheinlich werden meine Teile wieder nur international gesendet, wie die letzten auch. In den USA habe ich mich direkt erschrocken. Jedes Mal wenn ich den Fernseher angestellt habe bin ich im Regen gerannt oder habe Karten gefolded.

Seit 3 Tagen bin ich zurück in Deutschland und trotz meines (endlich!) eigenen Betts träume ich nachts immer noch „on hold“ zu sein.

Aber alle Male besser als in Buffalo.

Hier noch ein paar Bilder vom Dreh aus Toronto:

1_boardStory Boards


1_busArbeitsplatz


1_essenLekker essen


1_geklebtSo behält man den Überblick


1_screenKlappe, die 37.


1_joeJoe bei den Fotoarbeiten


1_set5Immer wieder endlose Vorbereitungen


1_stageLaufsteg


1tuer Der Schlüssel liegt unter der Fußmatte…


1_set6Ja, waschen muss man sich halt auch mal. Oder gibt es etwa schon Geruchsfernsehen?


1Dario…und die Behörden fanden nur noch einen einsamen Schal…


1_lampen
Aber gemütlich war´s

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