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Lochkarten & andere Verkehrshindernisse

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Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts entwickelte MB das Spiel des Lebens. Obwohl schon etwas betagter, hat sich an dem Spielmechanismus in den Jahren nichts geändert. Die Spieler spielen ein Leben nach, von der Wiege bis zur Bahre und versuchen so erfolgreich wie möglich zu sein. Aber manchmal spielt einem der Zufall einen Streich. Der Spieler, der am Ende das meiste Geld verdienen konnte, gewinnt.

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Seit ich aus Vancouver zurück bin verdinge ich mich fast täglich online bei PokerStars. Ich spiele mal wieder alles Mögliche quer durch den Garten: 7 Card-Stud hi, hi/lo, PotLimit Omaha, Razz und was die Software sonst noch so hergibt. Die Limits reichen von 30/60  bis 0,010/0,020. Die Runden in den Micro-Limits sind am lustigsten & sehr unterhaltsam. An Poker ist natürlich so gut wie nicht zu denken, da ich mehr mit dem Chat als mit allem anderen zu tun habe. Manche wollen mir sogar Geld schicken, weil sie denken ich müsse ja total broke sein. Gott sei Dank kann ich größere Überweisungen im Ansatz stoppen – das wäre mir dann echt zu peinlich.

In den höheren Limits versuche ich für meine Challenge „Freundin will neuen Busen“ ein paar $$$ anzuschaffen. Nach einer Woche habe ich endlich das benötigte Buy-in für eine Brustvergrößerung zusammen. Selbstverständlich macht sie das nicht in Tschetschenien für zweitausend Tacken, sondern hier in Hamburg bei einem ordentlichen Arzt für ordentliches Geld. Aber vielleicht hätte ich vorher von meiner Challenge erzählen sollen, dann hätten nicht so viele Gegner (besonders die Kerle: „Oh, can you send me a photo of her new boobs?“) dumm rum gechased und ich wäre schneller fertig gewesen.

Nachdem ich mir in so einer Sitzung 3x in Folge einen River-Gutshot je für 2K-Pots angeguckt hatte und dementsprechend blöd auf meinen Monitor glotze, schickt 50outs mich zu den Pferden. „Man, hau mal ab jetzt, geh reiten. Ist ja nicht zum Aushalten.“

Ja, Chef.
Ich packe die Reitsachen und den Beagle ein und mache mich in Richtung Stall auf. Vom Büro nach Hummelsbüttel sind es normalerweise etwa 20 Minuten zur Rush-Hour. Aber nicht an diesem Tag. Irgendein Unfall, die Straßen sind verstopft und ich brauche ganze sechs Ampelphasen um über eine einzige Kreuzung zu kommen. Meine Laune wird nicht besser – ich rufe erstmal meine Schwester an um mich auszukotzen. Man hat im Stau ja eh nichts anderes zu tun.

Ich muss an der nächsten Kreuzung rechts abbiegen und ordne mich ein. Mitten auf der Straße steht plötzlich ein Polizeibeamter. Auf den ersten Blick jung, schwer Testosteron-gesteuert und die Uniform augenscheinlich zu groß.

„Warum kann ich bitte hier nicht abbiegen?“ „Weil ich hier stehe…“. Ich schaue ihn an und warte auf die Fortführung des Satzes. Die kommt dann auch: “…und stellen Sie sich mal nicht so blöd an!“.

Der kommt mir gerade recht. Ich nehme einen tiefen Atemzug. Der Beagle bemerkt, dass jetzt irgendwas gaaaanz komisch wird und beginnt schon mal vorsichtshalber an zu bellen.

Der Beamtennachwuchs muss jetzt leider bluten. Für alle Lochkarten, River-Suck-Outs, Runner-Runner und sonstige Ungerechtigkeiten des Pokerlebens. Sein Kollege steigt vorsichtshalber in den Streifenwagen und kommt nicht – wie sonst üblich (als Zeuge für Beamtenbeleidigung) – zur Hilfe geeilt.

Es geht mir danach deutlich besser und 50outs, meine Pferde und der Beagle haben einen ganz friedlichen Abend mit mir.

Am nächsten Morgen muss ich nach Hannover. Ziemlich früh sogar, denn ich muss zur KFZ-Zulassungsstelle und einige weitere Erledigungen machen, die ausschließlich vormittags möglich sind. Morgens quäle ich mich also durch den Berufsverkehr in Richtung Elbbrücken um 150 Km auf der schönen Bundesautobahn 7 abzureißen. Baustelle Maschener Kreuz, Horster Dreieck, Soltau Fahrbahnverengung: Da hat man jede Menge Zeit Menschenstudien zu betreiben.
Es kommt mir irgendwie alles bekannt vor. Und da sind sie auch schon wieder. Direkt von der Showbühne ab in der Straßenverkehr.

Der Lochkarten-Freier: VW Passat, dunkelblau, muss u-n-b-e-d-i-n-g-t bei 190 noch in die viel zu kleine Lücke. „Wieso? Geht doch.“

Selbstmord-Kandidat Mr. Re-Re-Raiser mit Ducks in der Hand: Fiat Panda schießt ohne zu blinken mit satten 75 Km/Std von ganz rechts nach ganz links. Natürlich kommt die 2 auf dem River und die Bremsbeläge des Audi TT glühen. „Oh, sorry, hab ich nicht gesehen.“

Die Callingstation: Opel Ascona, silbern und mit gestricktem Klorollenbezug auf der Hutablage fährt auf der mittleren Spur sture 110,5 ganz egal wie der Verkehr drum herum ist. „Mir doch scheiß egal was Ihr habt.“

Es ist halt das Spiel des Lebens. I Call.

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